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Otto Reutter

Nu grade nich!
Original-Couplet - Text und Melodie von Otto Reutter
1909

1.
Herr Schulz schlich oft zu einer Maid,
obwohl er das nicht sollte -
und freut sich nun, als seine Frau
zur Kur verreisen wollte.
Schön, denkt er - jetzt bin ich allein
mit meinem süßen Kind.
Doch seine Frau - ganz aufgeweckt -
kriegt von der Sache Wind.
Sie sagt zu ihm kein Wort,
steht schon am Bahnhof dort.
Der Zug rollt ein am Ort.
Er denkt: Jetzt fährt sie fort!
"Nu grade nich, nu grade nich!"
sagt sie da voller List.
"Nun ruf mal an bei deiner Maid,
dass du verhindert bist.
Nu grade nich - nu grade nich -
die Küsse, die du ihr
wollt'st geben heut' beim Stelldichein,
die gibste heute mir."

2.
Ein Eh'mann hat ein böses Weib,
es ist 'ne wahre Plage.
Sie flucht und schimpft und tobt und schreit
so macht sie's alle Tage.
Am Abend tut's ihr immer leid,
dann wird sie lieb und brav.
Da sagt sie: "Männchen, gib mir 'n Kuss
damit ich besser schlaf.
Verzeih mir", sagt sie dann,
sie sieht ihn schmachtend an,
kommt immer näher 'ran.
Auf einmal sagt der Mann:
"Nu grade nich - nu grade nich,
jetzt kriegst du keinen Kuss.
Ich küss' nur, wenn ich Laune hab',
ich küss' nicht - wenn ich muss.
Nu grade nich - nu grade nich,
heut wirst du nicht geküsst.
Nun woll'n wir doch mal seh'n, wer hier
der Herr im Hause ist."

3.
Ich kriegte kürzlich einen Schreck,
ich las die Welt geht unter
Die Leute warn vor Angst ganz weg
's ging drüber und 's ging drunter
Ich hab mein Geld verputzt und rief:
"Adieu, du schöne Welt!
Wir fliegen ja doch bald in de Luft -
da brauchen wir auch kein Geld!"
Als Petrus das gehört,
dass unten ward gelehrt:
Bald wird die Welt zerstört,
da rief er ganz empört:
"Nu grade nich, nu grade nich
was fällt Euch denn da ein
ihr wollt wohl unten klüger noch,
als wir hier oben sein."
Nu grade nich, nu grade nich
jetzt bleibt de Welt noch stehn
wenn wir einmal begraben sind,
kann se ruhig untergehn.

4.
Ein Jüngling geht mit einer Maid
schon viele, viele Wochen.
Nun endlich hat sie ihn so weit,
dass er die Eh' versprochen.
Da sitzt sie auf dem Standesamt
und wartet auf den Mann.
Er kommt gemütlich - nimmt sich Zeit.
Sie sieht ihn zornig an,
gibt ihm 'nen Rippenstoß
und schreit: "Wo bleibst du bloß?
Sag' "Ja", du Trauerkloß!"
Er aber reißt sich los.
"Nu grade nich - nu grade nich",
so sagt er zu der Maid,
"denn wenn ich heute ja gesagt,
dann tut's mir morgen leid.
Nu grade nich - nu grade nich,
warum warst du so keck.
Jetzt heirat' mal alleine hier -
ich geh' jetzt wieder weg."

5.
's war ein Minister einst im Amt,
der jetzt schon lang vergessen.
Er hatt' den Magen sich verdorb'n
beim letzten Arbeitsessen.
Er ging, obwohl er unbeliebt,
erst nach 'ner langen Frist.
Und so wie er, macht's mancher, der
noch heut' im Amte ist.
Man sagt ihm: "Geh'n Sie weg!
Sie stehn am falschen Fleck.
Ihr Bleiben hat kein'n Zweck."
Er aber sagt ganz keck:
"Nu grade nich - nu grade nich,"
so denkt er sich und bleibt.
Er kümmert sich den Teufel drum,
was auch die Zeitung schreibt.
Nu grade nich - nu grade nich -
's geht nie nach unserm Sinn.
Je mehr wir jemand rausgewünscht,
je länger bleibt er drin.

6.
Ich hab' mir jüngst 'nen Spaß gemacht:
ich tat, als müsst' ich sterben.
Nun kamen die Verwandten an,
sie dachten, was zu erben.
Ich lag wie tot in meinem Bett,
als ging's zur ew'gen Ruh'.
Da dachten sie: Der hört nichts mehr -
und flüsterten sich zu:
"Der hat viel Geld, ich wett',
ach, wenn man 's bloß erst hätt',
jetzt stirbt er, das ist nett!"
Da sprang ich aus dem Bett.
"Nu grade nich - nu grade nich",
so rief ich lachend dann.
"Ihr weint ja viel zu sehr um mich,
das tu' ich euch nicht an.
Nu grade nich - nu grade nich."
Jetzt wein'n sie noch viel mehr.
Die hätt'n sich halb tot gelacht,
wenn ich gestorben wär.

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